Das Kunstschaufenster  im November


Künstler: Ronny Celuba

Titel: Auferstanden aus Ruinen

 

 

 

Man freut sich den aus der Sowjetischen Besatzungszone stammenden Künstler und seit Kindheit bekennenden Querdenker Ronny Celuba hier in Fischmüllers Kabinett begrüßen zu dürfen.

Zum Werk: Ronny Celuba befüllte die 16 Fenstersegmente des Kunstschaufensters mit fragmentarischen Resten aus Gemälden namhafter oder weniger namhafter internationaler Maler.

Eine erfolgreich agierende Wehrsportgruppe, deren führender Kopf Celuba daselbst ist, entwendete diese Gemälde verschiedenen westdeutschen Galerien und gut betuchten, kunstbeflissenen Privathaushalten. Ronny Celuba bezeichnete mir gegenüber diese Art der kulturellen Aneignung als künstlerischen Transformationsprozess, der aus seiner Sicht dem formaljuristischen Begriff der Straftatbestände des Diebstahls, bzw. des besonders schweren Fall des Diebstahls, bzw. des Diebstahls mit Waffen, Bandendiebstahls, Wohnungseinbruchsdiebstahls eventuell sogar des schweren Bandendiebstahls in Tateinheit mit Sachbeschädigung nicht stand hält. Er begründet dies mit der sozialen, politischen und biologischen Stellung der formal Geschädigten, welche faktisch eine Überlegenheit erkennen lässt, deren Duldung – einem allgemeinen Konsens folgend – abhanden gekommen ist, da diese Überlegenheit einlädt zu Missbrauch und Unterdrückung der gewöhnlichen – sprich: unterprivilegierten – Bevölkerung.

Die angeeigneten Gemälde zerstückelte er in ca. vier mal vier Zentimeter große Quadrate und konstruierte daraus eine relativ exakte symmetrische Reihung. Die insgesamt 48 Quadrate pro Fenstersegment unterliegen zwangsläufig unterschiedlicher Farbgebung und Farbauftrag, die Celuba in eigener ästhetischer Interpretation neu komponierte. Kontrapunktisch platzierte er in jedem der 16 Arbeiten ein Dia, welches Szenen seiner Herkunftsfamilie zeigt. Die hieraus entstehende kontrastreiche Korrespondenz zwischen konkretem Bildaufbau und organischer bis zufällig anmutender Farbstruktur gipfelt in einer metaphorischen Tagundnachtgleiche, da bei Dunkelheit durch die Hintergrundbeleuchtung ein vollkommen anderes, jedoch qualitativ gleichwertiges Bild entsteht, welches den Fokus gezielt auf seine eigene Familienhistorie richtet und so für den Betrachter eine persönliche Introspektion öffentlich erfahrbar wird, welcher man mit Bewunderung, Mitleid oder Abscheu begegnen darf.

Abschließend sei gesagt, dass man selten einen solch amüsanten, geistreichen und vor allem gut aussehenden Künstler als Gast im Hause willkommen heißen konnte.

 

 


 

 Miniaturkunst aus dem Automaten