Das Kunstschaufenster im Januar

Johan P. Schmid

Schlechte Kunst für schlechte Menschen

Das neue Jahr in Fischmüllers Kabinett beginnt mit dem nicht mehr ganz jungen, aber auch noch nicht sehr alten Künstler, Lyriker und Busfahrer Johan P. Schmid.

Johan P. Schmid hat sich, nachdem ich ihn vor zwei Jahren eingeladen hatte, ausführlich mit der Örtlichkeit, den Geschehnissen und Persönlichkeiten beschäftigt, die bis dato in Fischmüllers Kabinett zu begutachten waren.

Mein langjähriges Stammpersonal und moralischer Halt, die kritischen Kritiker der KRITISIERBAR, welche bedauerlicherweise ihre unersetzliche Mitarbeit Ende vorletzten Jahres aus gesundheitlichen Gründen einstellen mussten, verhalfen mit einer eher beiläufig, jedoch elegant platzierten Aussage zum Titel der vorliegenden Präsentation von Johan P. Schmid.

An dieser Stelle spreche ich den jungen Herren für die Überlassung des Zitats im Namen von Johan P. Schmid meinen Dank aus.

Herr Schmid hegte ursprünglich die Absicht, seine künstlerische Schaufenstergestaltung mit einer umfangreichen theoretischen Einführung und Beschreibung dem Betrachter und Leser erklärenderweise nahezubringen.

Dem sah ich mich gezwungen deutlich entgegenzuwirken. Eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Herr Schmid gerierte sich, trotz seines nachweislich ausreichend hohen Testosteronspiegels, reichlich zickig, als ich ihm vorsichtig versuchte die Grenzen der intellektuellen und emotionalen Möglichkeiten der Leser, Interessierten und Frauen aufzuzeigen. Außerdem vertrat und vertrete ich nach wie vor die Haltung, dass ein Werk durch zu viele Worte Gefahr läuft, zerredet zu werden. Eine Haltung, die Herr Schmid ausdrücklich nicht teilt.

Als ich ihm vorwarf mit Wissen und Bildung zu protzen wie ein Neureicher mit seiner vergoldeten Limousine, konterte er leicht beleidigt, wenigstens habe er etwas, womit man protzen könne, und wer hätte das schon!

An diesem Punkt blieb ich ihm die Antwort schuldig.

Er schickte mir täglich neue Textentwürfe, zitierte lebende und nicht mehr lebende Philosophen deutscher und nichtdeutscher Abstammung, kokettierte mit einem die Kunstwelt erschüttern würdenden Manifest, prahlte mit revolutionären kulturkritischen Ansätzen, echauffierte sich über jammernde, ausschließlich Belanglosigkeiten produzierende Künstler und deren geist- und gefühlloses, Kunst konsumierendes Publikum – und wie sich beide Parteien gegenseitig bedingten.

Johan P. Schmid sagt: Der Künstler ist die Hure des Systems. Für Geld und Lob macht der Künstler alles. Ohne das System kein Künstler. Ohne Künstler kein System. Man hat sich gegenseitig abhängig gemacht und die Beziehung basiert auf denselben Werten. Der Künstler ist auch nur ein gewöhnlicher Mensch. Er will nicht groß, sondern berühmt und geliebt werden.

Ich finde Johan P. Schmid wirklich sehr sexy.

Es war eine kurzweilige, wenn auch Kräfte zehrende und aufreibende gemeinsame Zeit, in der ich mich in der Rolle des Sparringspartners zu sein genötigt sah.

Das Ergebnis seiner gedanklichen Eskapaden gipfelte in der schlichten Erkenntnis, dass das menschliche Wesen innerlich leer sei und es aus diesem Grunde alles Mögliche anstellt, um diese Leere zu stopfen.

Der Vorgang des „Stopfens“ in seinen mannigfaltigen Erscheinungsformen wurde von Johan P. Schmid als ausnahmslos destruktiv beschrieben.

Dies war der Moment, als ich ihm den Witz mit der Blondine und dem Blinklicht erzählte.

Wir fassten in beiderseitigem Einverständnis den Entschluss, das Kunstschaufenster für den Januar 2020 mit der Überschrift „Schlechte Kunst für schlechte Menschen“ zu versehen.

Frau Müller im Namen aller Beteiligten, Freiburg im Breisgau, Erster Januar 2020