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Das Kunstschaufenster im Mai 2020

Viktor Mörseburg

Titel: Der Gott der hässlichen Organspenderinnen

Miniaturkunst

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Zum hier vorgestellten Werk: Mörseburg hat kleine Flaschen mit spirituell angereichertem Inhalt anschaulich in vier der sechzehn Fenstersegmente drapiert und selbsterklärend beschriftet.

Als Hintergrund fungiert weißer Rauch aus Rom in bewegten Bildern.

Nach Meinung von Viktor Mörseburg erschließt sich das Produkt für den halbwegs mit Intelligenz ausgestatteten Betrachter von alleine. Der Rest glaubt sowieso, was er glauben will oder soll, um irgendwelche trivialen Ziele zu erreichen.

Gut möglich, dass er mit dieser Sichtweise nicht ganz falsch liegt.

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Das Kunstschaufenster im April 2020

Stephan Sauer

Titel: Reklamation

oder

Das Kreuz mit dem menschlichen Bewusstsein

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Einige Worte zu Stephan Sauer:

Stephan Sauer erklärte, dass ihn Kunst im Allgemeinen nicht interessiert. Er engagiert sich weder aktiv noch passiv in der Flüchtlingshilfe. Ihm gehen musizierende Menschen auf Balkonen auf die Nerven. Er hat die Erde nicht von seinen Kindern geborgt. Er kann Kinder nicht leiden. Außerdem besitzt er keine. Er hat nur eine stark haarende, männliche Perserkatze. Auch Frauen kann er nicht leiden; dies betrifft insbesondere seine Mutter. Er geht Frauen lieber aus dem Weg. Väter findet er im Prinzip lächerlich. Er reist nicht gerne, weil er die Meinung vertritt, dass die Menschen überall auf der Welt erbärmlich sind. In ein Flugzeug oder einen Zug wird er sich nicht setzen, weil er die geistigen und physischen Ausdünstungen seiner Mitmenschen nicht erträgt. Er will die Welt nicht besser machen, weil er weiß, dass das seinem Kater egal ist. Kurz: Stephan Sauer ist ein schlechter und vollkommen unwichtiger Mensch. Er hat mir die Zustimmung erteilt, den letzten Satz so zu formulieren, wie ich ihn formuliert habe. Er sagt, er sei bereit sich der Wahrheit zu stellen.

Danke, Stephan.

Die im Schaufenster gezeigten Filme (unterste Reihe) behandeln vier folgende Schwerpunktthemen, die sich in der praktischen Umsetzung sicherlich an der ein oder anderen Stelle nicht exakt voneinander isoliert betrachten lassen: Religion, Kultur, Politik und Konsum.

Die restlichen Fenstersegmente sind bestückt mit aus unterschiedlichen Medien zusammengesetzte Collagen.

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Das Kunstschaufenster im März 2020

Alfons Zimmermann

Titel: Ich habe Dir noch so viel zu sagen

Untertitel: Humbahumbatäterää

  Gesamtansicht

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Einzelsegmente

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Miniaturkunst aus dem Automaten

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Das Kunstschaufenster setzte der niederösterreichische Künstler Alfons Zimmermann, der zudem nebenberuflich als forensischer Laborangestellter in Teilzeit und ohne Rentenausgleich tätig ist, pointiert und farbenfroh in Szene. Er widmete sich dabei ganz seinem Steckenpferd: Dem Parasitären. Im Allgemeinen und zuweilen auch im ganz Konkreten.

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Das Kunstschaufenster im Februar 2020

Charlotte Sauer

Titel: Falsche Fragen auf richtige Antworten

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Das Kunstschaufenster im Januar 2020

Johan P. Schmid

Titel: Schlechte Kunst für schlechte Menschen

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Schlechte Kunst für schlechte Menschen

Das neue Jahr in Fischmüllers Kabinett beginnt mit dem nicht mehr ganz jungen, aber auch noch nicht sehr alten Künstler, Lyriker und Busfahrer Johan P. Schmid.

Johan P. Schmid hat sich, nachdem ich ihn vor zwei Jahren eingeladen hatt, ausführlich mit der Örtlichkeit, den Geschehnissen und Persönlichkeiten beschäftigt, die bis dato in Fischmüllers Kabinett zu begutachten waren.

Mein langjähriges Stammpersonal und moralischer Halt, die kritischen Kritiker der KRITISIERBAR, welche bedauerlicherweise ihre unersetzliche Mitarbeit vor einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen einstellen mussten, verhalfen mit einer eher beiläufig, jedoch elegant platzierten Aussage zum Titel der vorliegenden Präsentation von Johan P. Schmid.

An dieser Stelle spreche ich den jungen Herren für die Überlassung des Zitats im Namen von Herrn Johan P. Schmid meinen Dank aus.

Schmid hegte ursprünglich die Absicht, seine künstlerische Schaufenstergestaltung mit einer umfangreichen theoretischen Einführung und Beschreibung dem Betrachter und Leser erklärenderweise nahezubringen. Dem sah ich mich gezwungen deutlich entgegenzuwirken. Eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Herr Schmidt gerierte sich, trotz seines nachweislich ausreichend hohen Testosteronspiegels, reichlich zickig, als ich ihm vorsichtig versuchte die Grenzen der intellektuellen und emotionalen Möglichkeiten der Leser, Interessierten und Frauen aufzuzeigen. Außerdem vertrat und vertrete ich nach wie vor die Haltung, dass ein Werk durch zu viele Worte Gefahr läuft, zerredet zu werden. Eine Haltung, die Herr Schmid ausdrücklich nicht teilt.

Als ich ihm vorwarf mit Wissen und Bildung zu protzen wie ein Neureicher mit seiner vergoldeten Limousine, konterte er leicht beleidigt, wenigstens habe er etwas, womit man protzen könne, und wer hätte das schon!

An diesem Punkt blieb ich ihm die Antwort schuldig.

Er schickte mir täglich neue Textentwürfe, zitierte lebende und nicht mehr lebende Philosophen und Geistesgrößen deutscher und nichtdeutscher Abstammung, kokettierte mit einem die Kunstwelt erschüttern würdenden Manifest, prahlte mit revolutionären kulturkritischen Ansätzen, echauffierte sich über jammernde, ausschließlich Belanglosigkeiten produzierende Künstler und deren geist- und gefühlloses, Kunst konsumierendes Publikum – und wie sich beide Parteien gegenseitig bedingten.

Johan P. Schmid sagt: Der Künstler ist die Hure des Systems. Für Geld und Lob macht der Künstler alles. Ohne das System kein Künstler. Ohne Künstler kein System. Man hat sich gegenseitig abhängig gemacht und die Beziehung basiert auf denselben Werten. Der Künstler ist auch nur ein gewöhnlicher Mensch. Er will nicht groß, sondern berühmt und geliebt werden.

Ich finde Johan P. Schmid wirklich sehr sexy.

Es war eine kurzweilige, wenn auch Kräfte zehrende und aufreibende gemeinsame Zeit, in der ich mich in der Rolle des Sparringspartners zu sein genötigt sah.

Das Ergebnis seiner gedanklichen Eskapaden gipfelte in der schlichten Erkenntnis, dass das menschliche Wesen innerlich leer sei und es aus diesem Grunde alles Mögliche anstellt, um diese Leere zu stopfen.

Der Vorgang des “Stopfens” in seinen mannigfaltigen Erscheinungsformen wurde von Johan P. Schmid als ausnahmslos destruktiv beschrieben.

Dies war der Moment, als ich ihm den Witz mit der Blondine und dem Blinklicht erzählte.

Wir fassten in beiderseitigem Einverständnis den Entschluss, das Kunstschaufenster für den Januar 2020 mit der Überschrift Schlechte Kunst für schlechte Menschen zu versehen.

Frau Müller im Namen aller Beteiligten, Freiburg im Breisgau, Erster Januar 2020

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Das Kunstschaufenster im Dezember 2019

Hedi Grießinger

Hedi Grießinger heißt die Künstlerin, die im Monat Dezember das Schaufenster von Fischmüllers Kabinett dekorieren durfte. Der interessante Titel

Häkeln Sticken Makramee

trägt ergänzend den hübschen Untertitel

Wir häkeln uns eine Klitoris

Auch in schwarz.

Und für in die Handtasche.

Frau Grießinger stellt fraglos ihr aktuelles Werk auf ganz reizende Weise unter das Motto

“Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt”.

Dem Betrachter bleibt es freilich freigestellt das Ganze auch als anregenden Impuls für die Vorweihnachtszeit zu begreifen. Es gibt schließlich nichts Individuelleres und Erfüllenderes als Selbstgemachtes am Baum oder auf dem Gabentisch.

Oder eben für in die Handtasche.

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Das Kunstschaufenster im November 2019

Ida Horn

Titel: Olga sagt

 

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Das Kunstschaufenster im Oktober 2019

Nikolaus Fischer

Titel: Das Haus vom Nikolaus

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Das Kunstschaufenster im September 2019

Aurélie Marthol

Titel: Die zweifelhafte Existenz der Freiheit III

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Miniaturkunst aus dem Automaten. Inhalt und Beschreibung.

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Das Kunstschaufenster im August 2019

Norbert Nemmert

Titel: Es gibt für alles eine Lösung

Es gibt für alles eine Lösung.

heißt die installative Konzeptarbeit von Norbert Nemmert, die er mit liebevoller Unterstützung seiner Lebensgefährtin, die namentlich nicht genannt werden möchte, für den August in Fischmüllers Kabinett – konkret im Schaufenster – der Öffentlichkeit präsentiert.

Gezeigt wird u.a. eine Urlaubsimpression an der Ostsee seiner jüngst verstorbenen Tante Ingeborg zusammen mit ihrem noch lebenden, aber inzwischen schwer leidenden Ehemann, genauer: Witwer, (Onkel) Hermann.

Auch ein Leuchtturm ist zu sehen.

Der Betrachter kann sich vor Ort ein Bild machen.

Photographieren ist auf Nachfrage erlaubt.

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Das Kunstschaufenster im Juli 2019

Eufrosinia Globocnik

Titel: Manifest der Entbehrlichkeit

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Manifest der Entbehrlichkeit

Der anwesend seiende Künstler als fiktive Möglichkeit

Abwesenheit als notwendige Maßnahme

Einbildung als Realität ist auch nur eine Entscheidung

Die zweifelhafte Wahrscheinlichkeit einer tatsächlich vorhandenen Wirklichkeit als gut gemeinte, jedoch im Ergebnis katastrophalen Existenzform (…)

© Eufrosinia Globocnik 2019

Einige Worte zur Automatenkunst der Eufrosinia Globocnik:

Eufrosinia Globocnik erkundet seit vielen Jahren das Phänomen „Leere“.

Nach ausdauernd intensiven und zeitlich ausufernden Forschungsarbeiten zum Thema, entschied sie sich, ihr Bildmaterial dem Raum zu entnehmen, welcher sowohl eine gewisse Modernität versprüht als auch ihren inhaltlichen Ansprüchen Genüge leistet: Ihrem vier Jahre alten Mac Book Pro und den vielen bunten Bildern, die auf dem Bildschirm zu finden und zu bestaunen sind.

Besonders angetan hat es ihr in diesem Zusammenhang die Internetplattform Ebay.

In der Rubrik Sitz- und Ruhemöbel wurde sie mehr als fündig und aus der nicht einfachen Aufgabe aus dem breiten Angebot der dargebotenen Objekte diejenigen Motive herauszufiltern, die ihren ästhetischen Anforderungen gerecht werden, gelang ihr am Ende eine durch und durch sehenswerte – um nicht zu sagen hervorragende – künstlerische Werkgruppe, welche überzeugt durch die konsequente Auseinandersetzung mit dem Gegenstand.

Ihre Konzeption beruht auf Suggestivkraft und Pathos, welcher durch Materialauswahl, Bildkomposition und optimierter Farbsättigung elegant in den Fokus gesetzt wird. Dieser raffiniert konstruierte Contrapunkt verleiht ihren Arbeiten Tiefgründigkeit und Komplexität.

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Das Kunstschaufenster im Juni 2019

Barbara Müller

Titel der Arbeit: Morbus Mueller

Beschreibung:

MORBUS MUELLER

Der Morbus-Mueller-Erreger ist eine einzigartige terrestrische Lebensform, welche nur über Vergleichsmodelle beschreibbar ist. Er wurde erstmalig von Frau Müller im Spätherbst des Jahres 1963 entdeckt .

Im Jahr 2014 begann sie die Art zu beschreiben.

Man könnte den Morbus Mueller als eine Multisystemerkrankung bezeichnen. Die Wirkungsweise entspricht einer parasitären, hat aber gleichfalls Ähnlichkeiten in Verhalten und Vorgehensweise mit Viren, Bakterien und Pilzen.

(Parasitismus bezeichnet im engeren Sinne den Ressourcenerwerb eines Lebewesens (genannt Parasit) mittels eines in der Regel erheblich größeren Organismus einer anderen Art. Meist dient die Körperflüssigkeit dieses Organismus als Nahrung. Der auch als Wirt bezeichnete Organismus wird dabei vom Parasiten geschädigt, bleibt aber in der Regel am Leben. In seltenen Fällen kann der Parasitenbefall auch zum Tod des Wirtes führen, dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Parasiten, deren Parasitismus gewöhnlich zum Tode führt, werden als Parasitoide oder Raubparasiten bezeichnet.)

Erdzeitgeschichtlich gesehen ist der Morbus-Mueller-Erreger ein sehr junger Erreger, was jedoch nicht über die enorme Aggressivität dieser Existenzform hinwegtäuschen sollte.

Die Krankheit kann eine Vielzahl von Organen des Wirts betreffen. Dabei können sehr unterschiedliche Symptome auftreten. Die individuell sehr unterschiedliche Ausprägung der Erkrankung und ihre Häufigkeit erleichtern die Diagnose, meist wird sie unmittelbar nach dem Auftreten der ersten Symptome korrekt gestellt.

+++ Dieser Entwurfstext ist eine grobe Zusammenfassung einer 1437seitigen Ausführung, welche in den kommenden 12 Jahren modifiziert und ergänzt werden wird (gegebenenfalls in Teilbereichen völlig widerlegt), sollte die Autorin nicht zwischenzeitlich das Interesse an der Spezies verloren haben.

Selbstverständlich spielt Geld auch in diesem Fall eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Geschlechtlichkeit und Paarungsverhalten

Bei den Morbus-Mueller-Erregern handelt es sich um Eukaryoten, deren Gameten weiblich oder männlich sind, in sehr seltenen Fällen genital uneindeutig.

Vielfältigen äußerlichen Unterschieden in Größe, Haut- und Fell-, bzw. Haarfarbe, Behaarungsgrad, Lebenserwartung, Körpervolumen und diversen Mutationen, steht eine auffällige Gefühlsarmut, primitives Sozialverhalten, auffälliger Geltungsdrang, eine ( vom Standpunkt des Betrachters aus) neurotisch zu nennende Ängstlichkeit und -trotz einer relativ großen Gehirnmasse- niedrige Intelligenz entgegen.

Nicht nur, aber vor allem während der Balz und in der Verpaarungsphase des Morbus-Mueller-Erregers zeigt sich ein erstaunlich destruktives Verhalten, welches geprägt ist von Unterwerfung, Machtausübung, Rivalität, Täuschung und Lustvermeidung.

Die Geschlechtsreife setzt etwa im Alter zwischen 12 und 16 Jahren ein, wobei u.a. das Habitat und soziales Regelwerk der jeweiligen Kolonie oder Sozietät eine Rolle spielen.

Üblicherweise begatten die geschlechtsreifen und ständig paarungsbereiten Männchen ein oder mehrere Weibchen, welche ihre Paarungsbereitschaft oftmals vortäuschen und prioritär interessiert sind an sicherer Behausung und sonstiger Versorgung für sich und in seltenen Fällen auch für ihre Brut. Ebenso bedingt die soziale Stellung im jeweiligen Volk die Auswahl des Männchens. Alpha-Männchen – oder vielmehr Männchen, die sich als solche versuchen auszugeben – werden von den Weibchen für die Fortpflanzung bevorzugt, auch wenn der aufmerksame Beobachter zu der Erkenntnis gelangt ist, dass gerade diese Gruppe Männchen wenig bis keinerlei Interesse an der Brut zeigt. Schwächliche Exemplare, welche allerdings etwa 99,87 % aller Männchen ausmachen, eignen sich zwar unwesentlich besser als Brutpfleger, legen aber durch fehlende sexuelle Anziehungskraft und/oder fehlenden Mut und Unabhängigkeit, eine gewisse Treue an den Tag, wenngleich diese nur mangels (freiwilliger) Gelegenheit aufrecht erhalten wird.

Schlüsselreize beim Paarungs- und Balzverhalten beim Weibchen für das Männchen sind vorwiegend sekundäre Geschlechtsmerkmale oft verbunden mit (in vielen Fällen vorgetäuschtem) unterwürfigem Verhalten, welches dem Männchen Schwäche des Weibchens suggerieren soll, was ihm selbst wiederum das Gefühl von Überlegenheit und Stärke verleiht. Bei älteren Männchen gewinnen zunehmend jüngere bis sehr junge Weibchen an Attraktivität, was die Männchen in ihrer sexuellen Potenz bestätigt, vor allem aber ihre männlichen Rivalen beeindrucken soll. Die weiblichen Vertreter der Gattung verlieren meist nach dem ersten, spätestens nach dem dritten Wurf ihr sexuelles (Schein-)Interesse an dem einen Männchen und wenden sich (meist heimlich) einem oder mehreren anderen Männchen zu oder werden (schein-)asexuell, wobei ein unterdrückter oder verleugneter sexueller Trieb sich meist in destruktiver Frustration ausdrückt, welche wiederum oftmals an der Brut ausagiert wird. In vielen Fällen lassen sich Weibchen von einem sexuell attraktiven Männchen decken und geben die Brut als die eines weniger attraktiven Männchens aus, welches dann meist unwissend, die Versorgung für das oder die Nachkommen teilweise oder vollständig übernimmt.

In fast allen Kolonien existieren Verpaarungen von je einem Männchen mit je einem Weibchen – dies zuweilen lebenslänglich. Seltener kommen Gruppen vor, in denen sich ein Männchen gleichzeitig mit mehreren Weibchen verpaart. Es gibt Regionen, in denen die Verpaarung vordergründig freiwillig geschieht und Regionen, in denen adulte Exemplare ihre Nachkommenschaft zwangsverpaaren. Grundsätzlich gilt: Etwa 99,75 % aller verpaarten Exemplare zeigen Symptome von Unzufriedenheit, teilweise quälen sich Pärchen lebenslänglich gegenseitig, in nicht wenigen Fällen endet eine Verpaarung mit lethaler Vergrämung. Hierin unterscheiden sich die zwangsverpaarten Exemplare nur unwesentlich von den „freiwillig“ verpaarten. Vorteil der Zwangsverpaarung ist die Abwesenheit von Enttäuschung. Vorteil der „freiwilligen“ Verpaarung ist zumindest die Möglichkeit einer Auflösung dieser Verbindung, wobei in den meisten Fällen eine erneute Verpaarung stattfindet, die in der Regel wieder mit der Auflösung oder leidvoller Qual endet.

Um den schlimmsten Auswirkungen dieser Verpaarungen zu entkommen, haben die meisten Morbus-Mueller-Erreger eine Strategie entwickelt, welche – vor allem anderen Morbus-Mueller-Erregern gegenüber- Einigkeit und Stärke demonstrieren soll. Diese Demonstration wiederum garantiert ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Kolonie und tritt vielfältig in Erscheinung. Diese Strategie beruht auf dem Prinzip der Täuschung, welches der Morbus-Mueller-Erreger unter allen terrestrischen Lebensformen perfektioniert hat.

Unzufriedene Männchen entkommen der Unbill der Verpaarung, indem sie beispielsweise in körperliche Aktivitäten verfallen oder beginnen das Weibchen zu schädigen, sich auf die Anhäufung von Materie konzentrieren (was den Weibchen meist entgegen kommt), sich Ersatzhandlungen zuwenden (meist in Gesellschaft mit gleichgesinnten Männchen) oder beispielsweise aus Pflanzen gewonnene Rauschmittel, Alkohol und andere Substitute regelmäßig einnehmen um die Qual zu vergessen und somit erträglich machen. Weibchen haben die Angewohnheit sich zusammenzurotten, in unterschiedlichen, meist kommunikativen Ausprägungen die Männchen kollektiv zu entwerten und sich gegenseitig in ihrer Schwäche und Unvollkommenheit zu bestätigen, was ihnen sozial großes Ansehen verleiht und garantiert, dass das System der Verpaarung bestehen bleibt. Auch die Einnahme von Rauschmitteln ist ein beliebtes und wirksames Instrument bei Weibchen. Die heimliche Verpaarung parallel zu den offiziellen Verpaarungen ist ein insgesamt weit verbreitetes Verhalten sowohl bei den Männchen als auch bei den Weibchen.

Ein weiteres bemerkenswertes Phänomen ist das Imitieren des jeweils anderen Geschlechts. Wenn Weibchen Männchen imitieren, deren Veranlagung zu Rivalität, Streben nach Aufstieg in Hierarchien, Anhäufung von Materie, etc. und bis zur totalen Verinnerlichung nachahmen, werden sie in ihren jeweiligen Kolonien meist ernst genommen, bzw. als Konkurrenz wahrgenommen, die es zu bekämpfen gilt. Wobei die Auswirkungen in der Regel mannigfaltig destruktiver Natur sind, was dem Betrachter kurios vorkommen mag, dem Morbus-Mueller-Erreger allerdings in seiner Ausrichtung und seinem Auftrag entspricht. Wenn im Gegensatz dazu männliche Morbus-Mueller-Erreger weibliche Morbus-Mueller-Erreger imitieren, mag das den Betrachter je nach Art möglicherweise amüsieren und unterhalten, in den Gesellschaften der Morbus-Mueller-Erreger, werden letzt genannte Vertreter jedoch im günstigsten Fall nicht ernst genommen. In vielen Kolonien werden sie vernichtet.

Natürlich sind das alles mehr oder weniger ausgeklügelte und auf verschiedensten Ebenen wirkungsvolle Täuschungsmanöver, die ein Ziel haben: Die Determinierung der Verpaarung von Männchen und Weibchen und die Versicherung des Gen-Auftrags.

Da diese Täuschungsmanöver Grundlage sind für Staatenbildungen und teilweise bedingungslose Anpassung erfordern, da Regelbrüche mit dem Ausstoß aus der Kolonie oder Gruppe bestraft oder auf noch grausamere Art geahndet werden, hat sich der Morbus-Mueller-Erreger ein weiteres Prinzip zu eigen gemacht: Um zu überleben unterwirft er sich konsequent der eigenen Täuschung. Dieses Jahrtausende alte Prinzip der Selbst-Täuschung des Morbus-Mueller-Erregers verliert selbst dann nicht an Wirkkraft, wenn Sozietäten entstehen, in denen Regelverstöße in abgeschwächter Form ohne nennenswerte Bestrafung praktiziert werden. Man kann auch von einer Art Konditionierung sprechen. Wenn diese von größtem Zwang befreiten Sozietäten, welche zudem oftmals ihrem Gen-Auftrag nicht mehr so aggressiv nachkommen, nun sukzessive von regressiven Populationen dominiert werden, fallen sie meist mehr oder weniger unauffällig und ohne Gegenwehr in alte Bestrafungsrituale zurück.

An dieser Stelle kann zusammengefasst werden: Männchen und Weibchen des Morbus-Mueller-Erregers praktizieren ein äußerst phantasieloses und enorm destruktives Paarungsverhalten, was entwicklungsgeschichtlich dazu geführt hat, dass sich fast alle Groß- und Kleinstkolonien unterschiedlichsten Täuschungsriten unterwerfen, um diese leidvolle Existenz ertragen zu können.

Ergänzung: In fast allen Kolonien zählen die Sonderformen der gleichgeschlechtlichen Verpaarungen, insbesondere die der Männchen, als Bedrohung. Man hat beobachtet, dass es in dieser Existenzform etliche Exemplare ohne destruktives Paarungsverhalten gibt. Man nimmt an, dass dieses Verhalten von anderen Morbus-Mueller-Erregern als Provokation aufgefasst wird, da sich die lethal Mutanten allein durch ihre Existenz dem Zwang der Koloniezugehörigkeit und -struktur entziehen. Sie sind durch die fehlende Fortpflanzungsbereitschaft komplett harmlos für den Wirt, was bei ihren nicht gleichgeschlechtlich verpaarten Artgenossen Feindseligkeit hervorruft, da sie der Macht ihres aggressiv-invasiven Genauftrags nicht Folge leisten. Eine interessante Form von Gen-Störrigkeit!

Dazu kommt, dass sie durch den fehlenden Zwang zur Fortpflanzung, oftmals in Geist und Talent den übrigen Erregern überlegen sind und dadurch Neid (eine sehr weit verbreitete Eigenschaft der Morbus-Mueller-Erreger) hervorrufen.

Allerdings existieren viele dieser Exemplare – quasi als Überlebensstrategie – in gezielten Tarn- und Täuschungssituationen, was in der Auswirkung ebenfalls wieder destruktiv und ihrer Art entsprechend produktiv wirkt (siehe Kapitel Substitution).

Brut und Brutpflege

In allen Kolonien garantiert Nachkommenschaft einen hohen Stellenwert und Zugehörigkeit zur Herde oder Gruppe. Und in dieser Hinsicht ist der Morbus-Mueller-Erreger allen anderen Organismen überlegen und dominiert zudem den Wirt.

Die Fortpflanzungsergebnisse des Morbus-Mueller-Erregers kommen durchschnittlich ein Jahr zu früh und entsprechend unreif zur Welt. Dieser Mangel des Organismus wird zusätzlich verstärkt durch die Auswirkungen der destruktiven Verpaarung der Elternexemplare. Folge: Es kommt zu defizitärer Brutpflege. Dies zeigt sich in Vernachlässigung, Bindungslosigkeit, direkter oder indirekter Ablehnung, passiver oder aktiver Aggressionen, etc.

Wiederum eine Folge dieser bemerkenswerten und einzigartigen terrestrischen Daseinsform ist die Manifestierung eines Mangelorganismus, welcher nun notgedrungen erfinderisch werden muss!

Und an diesem Punkt kommen wir zum Kern des Morbus-Mueller-Erregers. Hier zeigt sich seine unvergleichliche und unerreichte Einzigartigkeit. Hier wird ein Parasit zum Turbo-Parasit!

Substitution

Der Morbus-Mueller-Erreger ist im Vergleich mit anderen terrestrischen Lebensformen faktisch nicht überlebensfähig. Er zeigt enorme körperliche Unangepasstheiten an die Umwelt auf. Dazu gehören zum Beispiel das Fehlen von Angriffsorganen und eines Körperbaus, der eine schnelle und ausdauernde Flucht ermöglichen könnte. Die mangelnde Körperbehaarung bietet zudem keinen ausreichenden Schutz gegen Witterung. Zudem sind echte Instinkte praktisch in Gänze verkümmert. Der Morbus-Mueller-Erreger hat aufgrund dieser Mangelveranlagung und in der vorher beschriebenen defizitären Brutpflege ein System entwickelt, welches die Autorin Substitutionsverhalten nennt.

Ein Organismus, dem das Wesentliche von Anbeginn nicht vorenthalten wird, hat keinerlei Notwendigkeit das Wesentliche ersetzen zu müssen. Das Wesentliche ist beispielsweise für ein Darmbakterium eine einigermaßen funktionierende Darmflora. Für ein junges Rehkitz die Ricke, die es säugt und aufpasst, dass es nicht vom bösen Wolf gefressen wird. Stimmen diese Voraussetzungen, wird aus einem ganz kleinen Darmbakterium ein kleines Darmbakterium. Wenn die Bedingungen nicht mehr vorhanden sind oder gestört werden, stirbt der Organismus. Ganz einfach. Wenn die Bedingungen stimmen, wird aus dem Kitz ein normales Reh, das sich so verhält wie die anderen Rehe auch.

Alle sonstigen Organismen haben im Vergleich zum Morbus-Mueller-Erreger keinen Grund sich als minderwertig oder unvollständig zu begreifen. Entweder sie leben zufrieden, je nach Art lustvoll und fidel oder phlegmatisch, stoisch und ergeben vor sich hin. Ganz wie der Betrachter es sehen will. Und sie sterben, wenn ihre Zeit gekommen ist oder die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind.

Eine zugegebenermaßen recht langweilige Angelegenheit. Da ist der Morbus-Mueller-Erreger um einiges anspruchsvoller.

Wie schon im Absatz Brut und Brutpflege beschrieben, liegt es in der Natur des Morbus-Mueller-Erregers, dass dieser von sich aus vermeidet seine Brut mit dem „Wesentlichen“ zu versorgen. Fehlendes wird in der Regel ersetzt. So einfallslos und primitiv sich der Morbus-Mueller-Erreger in seinem Paarungsverhalten zeigt, so erfinderisch und brillant gibt er sich in Bezug auf seine Ersatzhandlungen und in der Produktion von Hilfsmitteln.

Aufmerksamkeit

Der noch kleine Morbus-Mueller-Erreger benötigt Aufmerksamkeit. Bei der zitierten Ricke-Kitz-Konstellation erschließt sich der Vergleich. Die Rehmutter versorgt ihr Junges mit Milch, Körperwärme, Schutz, Blickkontakt.

Da die Ricke das Kitz nicht benötigt als Bestätigung für ihre Grandiosität oder als Garant für ihre Herdenzugehörigkeit (sie existiert anspruchslos in ihrer komplexen Einfachheit) fehlt dem Kitz der Anreiz zur späteren Großartigkeit oder Besonderheit.

Die in ihrer Mangelhaftigkeit determinierten Morbus-Mueller-Erreger-Eltern brauchen ihre Brut um

a. Die Zugehörigkeit zu ihrer Gruppe/Kolonie/Herde zu legitimieren.

b. Die Funktionalität und Potenz ihrer Fortpflanzungsorgane unter Beweis zu stellen.

c. Der Einzigartigkeit ihrer Nachkommenschaft huldigen zu können (schön, schlau, individuell, witzig, behindert, etc.) um sich dadurch selbst erhöhen zu können.

d. Für ihr eigenes Scheitern verantwortlich machen zu können.

e. Sich in der Endphase ihres Lebenszyklus der Beseitigung ihrer Exkremente zu versichern.

Da nun diese Form der Aufmerksamkeit dem Gegenteil der zur Illustration dienenden Kitz-Reh-Beschreibung entspricht, mag der aufmerksame Leser vielleicht ahnen, worauf die Verfasserin hinaus will. Diesem kleinen Morbus-Mueller-Erreger bleibt gar nichts anderes übrig, als etwas Besonderes sein zu wollen. Sein zu müssen!

Und zwar lebenslänglich.

Wenn Mangel zum Prinzip erhoben wird, entsteht ein System der kontinuierlichen Substitutionserfindung. Und in diesem System fährt der Morbus-Mueller-Erreger zur Höchstleistung auf. Nun fängt das überdimensionierte Gehirn an Sinn zu machen.

Problematisch wird die Sache, wenn der Morbus-Mueller-Erreger verweigert im Mangelstadium zu verbleiben (Entwarnung! Es existieren nur sehr vereinzelt derartig entartete Exemplare – ca. 0,0002 % – , die die stetig anwachsende Gesamtpopulation nicht gefährden können).

Infantile Bedürftigkeit ist die Voraussetzung für diese Form von Systemimmanenz. Und Geltungsdrang die Triebfeder für erfolgreiche Vermehrung der eigenen Spezies und erfolgreiches Melken des Wirts.

In diesem Kontext möchte ich jene Exemplare erwähnen, welche vortäuschen den Wirt retten zu wollen um ihn umgehend noch aggressiver mit ihren Erreger-Multiplikatoren zu bevölkern – je nach Stimmungslage und individuellem Geschmack mag der Betrachter dieses Gebaren als drollig oder zynisch empfinden!

Und: Auch am Beispiel Aufmerksamkeit wird das Phänomen Täuschung sichtbar. Der Morbus-Mueller-Erreger tut alles um sein Banales, Hässliches und Störungen kunstvoll zu verschleiern, zu umgehen, bis zu vernichten, um sich bestimmend ins Zentrum setzen zu können.

Zusammenfassung: Durch die eigenwillige und progressive Umsetzung des abstrakten Begriffs „Aufmerksamkeit“ erhält die Brut des Morbus-Mueller-Erregers die Voraussetzung für die Bereitschaft zu auf Konkurrenz basierter Leistung, Scheinanpassung und Erschaffung von Substituten unterschiedlichster Couleur, Qualität und Quantität. Auch in diesem Punkt unterscheidet er sich von allen übrigen Lebensformen.

Mangel

Da dem Morbus-Mueller-Erreger sämtliche natürliche Voraussetzungen für das Überleben auf dem Wirt fehlen, ist er, wie schon erwähnt, dazu übergegangen Ersatzmechanismen zu entwickeln.

Der Betrachter wird sich nun zu Recht fragen, warum der Morbus-Mueller-Erreger solch ein Aufheben um seine Substitute macht, die doch nichts anderes sind als Hilfsmittel für seine eigentliche Bedürftigkeit, bzw. dazu dienen diese Bedürftigkeit zu verschleiern. Ganz offensichtlich liegt diesem Verhalten eine tiefe Scham zugrunde, meist in Kombination mit einem ausgeprägten Gefühl und Wissen um die eigene Minderwertigkeit. Ist er doch in seiner Unvollkommenheit und Schwäche allen übrigen Existenzformen unterlegen, die sich hervorragend auf das Leben mit und auf dem Wirt angepasst haben – ganz ohne Hilfsmittel und noch dazu in ästhetischer Perfektion!

Auch in der Art der Verschleierung von Scham und Minderwertigkeit, hat der Morbus-Mueller-Erreger mehr oder weniger primitive Strategien entwickelt. Um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken, hat er den Spies umgedreht und benimmt sich als die allen anderen Spezies überlegene. Diese Strategie geht soweit, dass er in richtige „Machtexzesse“ verfällt, und alles verwüstet, zerstört, vergiftet, versklavt und: Mit seiner eigenen Spezies unkontrolliert und haltlos bevölkert. Fortpflanzung als imperialistischer Akt!

Ein weiteres spezifisches Phänomen ist das Richten der Aggressionen gegen sich selbst und gegen die Seinen. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass jedes Objekt, welches dem Morbus-Mueller-Erreger seine Unterlegenheit und Minderwertigkeit vor Augen führt, von ihm als bedrohlich und störend empfunden wird oder einfach als Spiegel der eigenen Minderwertigkeit.

Morbus-Mueller-Erreger, welche beispielsweise körperlich vorteilhafter, sexuell anziehender oder noch geschickter in der Erschaffung von Substituten sind – oder einfach zufriedener wirken, weil sie sich möglicherweise mit ihrer eigenen Überflüssigkeit abgefunden zu haben scheinen, eignen sich besonders gut als Projektionsfläche für aggressives Verhalten. Letztere Variante, die Zufriedenen, ist recht selten zu finden und hält sich häufig versteckt. Sie kommt vielfach bei Morbus-Mueller-Erregern vor, welche die gegengeschlechtliche Triebausübung vermeiden und entsprechend auch die eigene Fortpflanzung. Wie am Ende im ersten Abschnitt schon ein mal erwähnt, werden diese Exemplare in fast allen Kolonien von ihren Artgenossen geschmäht oder aktiv angegriffen und vernichtet.

Insgesamt verhält sich der Morbus-Mueller-Erreger gegenüber dem Wirt, von dem er in Abhängigkeit lebt, und seinen eigenen Artgenossen gegenüber aggressiv, invasiv und mit der unbedingten Intention anderes Leben zu unterwerfen und zu vernichten. In vielen Fällen gelingt es ihm auch hierbei zu verschleiern und zu täuschen. Zum Beispiel hat er ein ausgeklügeltes System entwickelt, welches sein aggressives Agieren mit einer Art „Altruismus“ ummäntelt. Seine Neigung den Wirt oder andere Artgenossen auszubeuten oder zu benutzen stellt er seiner Stammkolonie (und sich selbst!) gegenüber als Akt der „Nächstenliebe“ dar oder benimmt sich so, als sei die eigene Kolonie anderen überlegen und leitet daher das Recht auf Unterwerfung anderen oder fremden Lebens ab. Der Betrachter mag bei diesen Beobachtungen schmunzeln, aber in Bezug auf (Selbst-)Täuschung ist dieser Erreger allen sonstigen Organismen weit überlegen. Doch auch bei diesem Verhalten handelt es sich lediglich um ein Substitut, welches von der faktischen Unterlegenheit und der mangelhaften Ausreifung des Morbus-Mueller-Erregers ablenken soll.

Populationen

Im Großen und Ganzen agiert der Morbus-Mueller-Erreger in Bezug auf Ausbreitung und Zerstörungskraft als die erfolgreichste parasitäre terrestrische Lebensform.

Wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben, schöpft er Vitalität, Kreativität und Potenz aus seiner Mangelexistenz, maßgeblich aus seinem destruktiven Paarungsverhalten.

Die unzähligen kleinen und größeren Populationen sind ungleich verteilt, wachsen aber trotz permanenter gegenseitiger Zerstörung unaufhörlich an. Für den Betrachter erscheint das Verhalten des Morbus-Mueller-Erregers irritierend und bisweilen amüsant, da er neben seines autoaggressiven Handelns eine aktive Wirtsschädigung betreibt.

Nur bei sehr selten vorkommenden Mikrokolonien der Spezies Morbus Mueller, welche meist weit abseits pulsierender Großkolonien siedeln, kommt es zu keinen Störungen oder Wirtsschädigungen, da diese Populationen in der Regel ausbalanciert sind und ähnliche Verhaltensweisen bezüglich der Nahrungsaufnahme und ihrer Ausscheidungen bevorzugen wie viele andere Organismen, welche den Wirt besetzt halten. Außerdem betreiben sie eine sanfte Brutpflege und sorgen so dafür, dass ihre Jungen ohne nennenswerten Mangel heranreifen können. Da allerdings ihre Aufenthaltsregionen von aggressiv invasiven Morbus-Mueller-Erregern praktisch zerstört sind, spielen diese in der Beschreibung nur die übliche Rolle der Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Daneben erregen diese Kleinstkolonien nicht das Interesse der Betrachter, wie die restlichen Populationen, da sie keine nennenswerten Entwicklungen und Fortschritte erkennen lassen.

Gruppen

Es ist wichtig und notwendig den Dingen ihre Ordnung zu geben, sie zu benennen und systematisieren.

Die Autorin hat den Morbus-Mueller-Erreger in folgende Gruppen eingeteilt:

1. Heteros Sexus Simplex

SEXUS: ♀

GRADUS AGGRESSUS: 2-10

2. Ortrudis

SEXUS: ♀

GRADUS AGGRESSUS: 8-10

3. Gamete Mali

SEXUS: ♂ und ♀

GRADUS AGGRESSUS: 8-10

4. Tumultatem Homunculi

SEXUS: ♂ und ♀

GRADUS AGGRESSUS: 7-10

5. Spargens Absolute

SEXUS: ♀

GRADUS AGGRESSUS: 2-10

6. Crucians

SEXUS: ♂ und ♀

GRADUS AGGRESSUS: 6-10

7. Miserabilis

SEXUS: ♂ und ♀

GRADUS AGGRESSUS: 8-10

8. Maximum Malignum

SEXUS: ♂ und ♀

GRADUS AGGRESSUS: 9-10

9. Animum Perditionis

SEXUS: ♂ und ♀

GRADUS AGGRESSUS: 7-10

Die Gruppe 1, Heteros Sexus Simplex, ausschließlich aus männlichen Exemplaren bestehend.

Sie weisen insgesamt ein starkes Suchtverhalten bezüglich ihres Geschlechtstriebes auf, der sich explizit auf die Gruppe 2, Ortrudis, richtet.

Sie agieren mehr oder weniger undifferenziert, oftmals tumb. Bis zur Adoleszenz treten die Heteros Sexus Simplex häufig in Gruppen auf, wirken auf den Betrachter manchmal sogar anmutig, was sich allerdings spätestens nach der Verpaarung mit einem Exemplar der Ortrudis oftmals in atemberaubender Geschwindigkeit verändert. Oft verdoppeln sie nach dem ersten Wurf ihr Körpervolumen, neigen zu Trägheit und wenden sich häufig Rauschmitteln zu. Grundsätzlich verströmen die Heteros Sexus Simplex schlechten Geruch, da sie die Körperreinigung vernachlässigen. Sie setzen das – auf eine für den Betrachter fast lächerlich erscheinende Art – gleich mit ihrer geschlechtlichen Potenz, merken aber nicht, dass die Ortrudis eher abgestoßen sind davon (außer sie geraten an besonders raffinierte Exemplare der Ortrudis, welche den Männchen vortäuschen angezogen zu sein vom Testosterongestank und primitivem Gebaren. Das gibt den tumben Männchen das Gefühl von Bestätigung und die Weibchen garantieren damit ihre Stellung und Sicherheit). Nach einer gewissen Zeitspanne der Verpaarung sind in der Regel allerdings auch die Heteros Sexus Simplex abgestoßen von den Weibchen, die ihnen in der Regel zu laut, aufgeregt und unzufrieden sind. Man kann verkürzt feststellen, dass die Verpaarten aneinander leiden, sich körperlich unattraktiv finden (außer sie haben Lust am gegenseitigen Quälen und Unterwerfen) und irgendwann in (neue) Täuschungsmanöver verfallen.

Die Verpaarten (näher beschrieben in der Gruppe der Gamete Mali) entwickeln je nach Region, Habitat, Vermögen und Ideenreichtum unterschiedliche Formen von Substitutionsverhalten in der Verpaarungssituation.

Vereinfacht kann man feststellen, dass hormonelle Hochphasen zu Verpaarungen führen und in Zwangsverbindungen enden. Da die meisten Sozietäten angewiesen sind auf unzufrieden Verpaarte, da diese aufgrund der vorhandenen defizitären Situation zu enormen Leistungen im Substitutionsverhalten fähig sind und so Nahrung und Materie unbegrenzten Ausmaßes anhäufen, besteht für die einzelne Kolonie kein Grund diese Mangelsituation zu verändern. Ganz im Gegenteil. Die Kolonien sind abhängig von der Unzufriedenheit der Verpaarten und derer entsprechend mangelversorgten Brut.

Da diese Formen des Zusammenlebens meist über viele Generationen hinweg praktiziert werden, also tradiert und verinnerlicht (konditioniert) sind, von den anderen Exemplaren der einzelnen Kolonien ebenfalls in gleichen oder ähnlichen Leidenskonstellationen ertragen werden, der Morbus-Mueller-Erreger von Natur aus eher schlicht und nicht sonderlich fantasiebegabt ist, wird sich an diesem Zustand der Lebensform erwartungsgemäß nichts ändern. Möglicherweise entstehen ab und an Kolonien, welche phasenweise etwas beweglicher werden bezüglich des Verpaarungsverhaltens und auch weniger Bereitschaft zeigen sich zu vermehren, aber dies werden immer nur Phasen von kurzer Dauer sein, da man beobachtet hat, dass besonders diese Kolonien wenig Abwehr zu entwickeln in der Lage sind gegenüber sehr aggressiven und reggressiven Gruppen, die meist sehr erfolgreich die „schwächelnden“ Sozitäten übernehmen und ihrem repressiven Regelwerk unterwerfen.

Macht zu erhalten ist ein zentraler Gen-Auftrag des Morbus-Mueller-Erregers.

Ortrudis agieren meist differenzierter und komplexer als die Vertreter der Gruppe 1. Möglicherweise liegt es an ihrer leiblichen Unterlegenheit den Männchen gegenüber, dass sie andere Strategien entwickelt haben um an Macht zu gelangen. Denn auch den Weibchen geht es zuvorderst darum. Eine weit verbreitete Eigenheit ist das gezielte Vortäuschen von Schwäche. Die tumben Männchen, die sich dadurch in ihrer (gefühlten) Überlegenheit bestätigt sehen, sind nicht in der Lage diese Täuschung zu durchschauen, würde sie doch gleichzeitig ihre eigene Schwäche bloßlegen. Man kann das eine symbiotische Form von beiderseitigem Täuschungsmanöver nennen (mit dem kleinen Unterschied, dass die Weibchen meist planerisch vorgehen und die Männchen prahlerisch. Für den Betrachter wieder einmal ein durchaus possierliches Paradestück des Paarungsverhaltens der Morbus-Mueller-Erreger).

Bei der Gruppe der Gamete Mali ist diese Art häufig zu finden. Beispielsweise bei Männchen in Leitungsrollen, auch größerer Sozietäten. Wenn zudem noch die Schlüsselreize der Weibchen stimmen, die Männchen also mit den Weibchen protzen können, steht für Männchen und Weibchen einem Aufstieg in der Hierarchie der Kolonie nicht mehr viel im Wege. Es entsteht gegenseitige Bestätigung, welche eine enorme Suggestivkraft entwickelt, der sich die Morbus-Mueller-Erreger praktisch nicht entziehen können. Gleichgültig auf welchem Leidensgrad die Verpaarung sich befindet.

Die Gruppe der Gamete Mali, die Autorin spricht spaßeshalber auch gerne von der „Wiege des Bösen“, besteht immer aus je einem Exemplar der Heteros Sexus Simplex und einem der Ortrudis.

Es gibt so gut wie keine Gamete Mali, welche nicht aneinander leiden. Es gibt keine, die ohne Täuschung auskommen. Außer die Verpaarung endet mit Auflösung, wobei sich die meisten Gamete Mali ohne ihr Leiden einsam und hilflos fühlen und ihre Täuschungsmanöver sublimieren, bzw. sich neue Gamete Mali bilden. Eher selten enden Verpaarungen ohne Täuschung konsequent lethal. Andere Möglichkeiten stehen den Morbus-Mueller-Erregern aufgrund ihrer mangelnden Intelligenz kaum zur Verfügung.

Die vierte Gruppe Tumultatem Homunculi umfasst sämtliche Gameten und alle Triebausrichtungen. Im Hauptwerk über die Morbus-Mueller-Erreger werden sämtliche Untergruppen genau beschrieben. Im vorliegenden Text geht die Autorin zusammenfassend vor.

Alle Exemplare dieser Gruppe zeichnen sich aus durch ein starkes bis extrem pathologisches Geltungsbedürfnis. Dieser defizitäre Zustand mag in vielen Fällen bedingt sein durch eine ungenügende Brutpflege und entspricht zum Großteil einfach den Anlagen des Morbus-Mueller-Erregers. Es existieren vereinzelt Exemplare dieser Gruppe, die auf den Betrachter unterhaltsam wirken mögen. Manche haben sogar das ein oder andere Talent, welches sie tatsächlich aus der großen Masse der Morbus-Mueller-Erreger hervortreten lässt. Gemein ist allerdings allen das Verlangen nach Bestätigung, Anerkennung und Zugehörigkeit. Und fast alle Exemplare sind im Erreichen dieser Bestätigung zu fast allem bereit.

Sie sind anzutreffen in kleinsten Gruppen bis zu Großkolonien, wo sie beispielsweise Leitungsrollen besetzen, unabhängig vom Intelligenzgrad und Konditionierung.

Es gibt Bereiche, in denen Morbus-Mueller-Erreger anderen Morbus-Mueller-Erregern Dinge vorführen und auf teils possierliche Art ihr Können – oder das, was sie dafür halten – zeigen. Dazu haben die Morbus-Mueller-Erreger spezielle Bauten errichtet, in denen Dinge geschehen, die die Morbus-Mueller-Erreger für wichtig erachten, weil andere Morbus-Mueller-Erreger wichtig finden, dass die anderen das wichtig finden. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich die Morbus-Mueller-Erreger der Gruppe 4 gegenseitig benutzen und in symbiotischer Abhängigkeit voneinander leben.

Manchmal geschehen in diesem Zusammenhang Dinge, die der Betrachter lustig finden kann.

Die Gruppe 5, Spargens Absolute, besteht aus weiblichen Gameten, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie die Vermehrung und Verbreitung ihrer Spezies gewährleisten. Die Autorin nennt sie hinter vorgehaltener Hand auch „Brüter“. Sie genießen meist große Hochachtung in den Kolonien, da sie den biologischen Auftrag, den Morbus-Mueller-Erreger zu vermehren, übererfüllen. Der Betrachter mag sich wundern, da auffallend ist, dass sehr oft -für seinen Geschmack – äußerst unästhetische Exemplare des Morbus-Mueller-Erregers zu aggressiver Vermehrung neigen. Und nicht nur äußerliche Schwächen scheinen den Ausschlag zu geben. Auch die völlige Abwesenheit von Voraussetzungen für natürliches Überleben sowie die Unfähigkeit für die Produktion von Substituten sind in dieser Gruppe anscheinend ein Kriterium. In den meisten Kolonien wird das Verhalten dieser Weibchen und die Bereitschaft der Männchen diese Weibchen zu decken, belohnt. Die ist wiederum ein Phänomen, welches anderen Organismen abgeht.

Womit wir zur Gruppe 6, Crucians, kommen. Da diese Gruppe überwiegend aus Morbus-Mueller-Erregern besteht, die sich aus Abkömmlingen der Gruppe 5 rekrutiert, hat die Autorin auch schon eine Erklärung parat.

Die Gruppe 6 hat vor allem die Aufgabe die einzelnen Kolonien zu beschützen, bzw. andere Kolonien zu besetzen und zu unterwerfen. Sie sind im Grunde Instrumente der Macht und bringen aufgrund ihrer prekären Brutbedingungen (ein Weibchen kann sich, wenn es zu viele Würfe hat, noch schlechter um die einzelnen kümmern als sowieso schon) beste Voraussetzungen mit, sich einer machtausübenden Gruppe zu unterwerfen und die „von oben“ empfangenen Aggressionen an „Feinde“ oder Gefangene weiterzugeben. Da sie meist aus zahlenmäßig starken Würfen kommen, die Gefühlsarmut dieser Exemplare noch ausgeprägter ist als bei den anderen Morbus-Mueller-Erregern, und das Bindungsverhalten unterentwickelt, bedeutet für die adulten Elternexemplare der Verlust eines solchen Morbus-Mueller-Erregers nicht viel. Ganz im Gegenteil: In fast allen Kolonien werden die adulten Elternexemplare belohnt für das Opfern ihrer Brut und außerdem halten die Morbus-Mueller-Erreger wirklich beeindruckende Verehrungsspektakel ab, gerade im Zusammenhang mit der Opferung der Gruppe 6.

Im Übrigen ist der Anteil der Heteros Sexus Simplex hoch.

Der Einsatz von Weibchen schwankt von Kolonie zu Kolonie. Da jedoch die meisten Weibchen als Brüter vorgesehen sind, und diese unter den Morbus-Mueller-Erregern verehrt werden, dominieren meist die Männchen in der Gruppe der Crucians.

Die Gruppe 7, Miserabilis: Vielleicht die Lieblingsgruppe der Autorin.

Die Exemplare dieser Gruppe haben – wie die meisten Morbus-Mueller-Erreger – vor allem ein Bedürfnis nach : Macht! Jedoch sind sie in den Methoden der Täuschungen äußerst geschickt und erfindungsreich. Man kann bei sämtlichen Gruppen und Untergruppen der Miserabilis die Intention erkennen die Morbus-Mueller-Erreger möglichst im Unreifestadium zu halten. Dies erreichen sie recht effizient mit dem Instrument der Ängstigung, welches sie schon bei sehr jungen Exemplaren einsetzen. Diese sind in der Regel auch aufgrund der mangelhaften Brutbedingungen recht gelehrig in der Aufnahme von – man kann es nicht anders nennen – absurdesten Ritualen, welche ihnen Zugehörigkeit zu einer Gruppe suggerieren. Wiederum eine Abart von Substitutionsverhalten.

Die Miserabilis besteht aus allen Gameten und sie praktizieren alle vorstellbaren und existierenden Triebausrichtungen. Wobei auffallend ist, dass das Thema Geschlechtlichkeit, je mehr es äußerlich verbannt ist, das Leben in der Gruppe dominiert. Um nicht zu sagen: Es geht faktisch um nichts anderes als den Fortpflanzungstrieb!

Regional sind – zumindest äußerlich betrachtet – große Unterschiede zu erkennen.

Es gibt kleinere bis Kleinstgruppen, die ausschließlich aus Männchen bestehen und solche, die sich nur aus Weibchen zusammensetzen.

Fast alle Untergruppen der Miserabilis sind stark hierarchisch organisiert.

Von unscheinbar bis äußerst bizarr ist an Erscheinungsformen alles geboten. Man wird den Verdacht nicht los, dass es sich vor allem bei einigen Männchen um solche handelt, welche gerne Frauen imitieren.

Insgesamt gesehen scheinen diese Exemplare von Triebstörungen geleitet zu sein. Auch die Fortpflanzung vollzieht sich bisweilen heimlich und in Täuschungssituationen. Vielfältige und merkwürdige Auswüchse von Bestrafungsritualen sind beobachtet worden. Gerade auf diesem Feld scheinen die Miserabilis eine erstaunliche Fantasie und Leidensfähigkeit entwickelt zu haben.

In einigen Großkolonien werden Gruppen und/oder einzelne Exemplare der Miserabilis von anderen Morbus-Mueller-Erregern verehrt.

Der Betrachter mag auch an dieser Stelle seine Verwunderung über dieses seltsame Gebaren zum Ausdruck bringen.

Die Gruppe 8 trägt die Bezeichnung Maximum Malignum. Was zugegebenermaßen ein wenig dick aufgetragen klingt.

Es handelt sich hierbei um eine relativ kleine Gruppe, welche jedoch die außerordentliche Fähigkeit besitzt, sich sehr effektiv an die Spitze einer oder mehrer Kolonien zu platzieren um maximalen Schaden zu bewirken für

a. Den Wirt

b. Die eigene Kolonie

c. Andere Kolonien

d. Diverse Sondergruppen der Morbus-Mueller-Erreger innerhalb oder außerhalb der eigenen Kolonie.

Die Organisationsform der jeweiligen Kolonie spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.

Grundsätzlich spielt die Organisationsform der Morbus-Mueller-Erreger eine untergeordnete Rolle. Die Verfasserin vertritt die Meinung, dass die Diskussion über Organisationsformen der Kolonien der Morbus-Mueller-Erreger überbewertet wird.

Die Gruppe 9 heißt Animum Perditionis.

Sie tritt meist in degenerierten Großkolonien auf und hat Kontrolle über Einzelexemplare, die beispielsweise Probleme mit der destruktiven Existenzform als Morbus-Mueller-Erreger verspüren. Nicht selten kommt es unter diesen Abweichlern vor, dass diese sich selbst vernichten oder zumindest schwer schädigen. Die Gruppe der Animum Perditionis hat aus diesem Grund spezielle Bauten errichtet, in denen diese als Gefangen gehalten werden. Die meisten Abweichler werden mit künstlichen Substanzen ruhig gehalten und oftmals kontrolliert lethal vergrämt. Oft sieht es dann so aus, als hätten sich die Abweichler selbst vernichtet.

In einigen Fällen gelingt es der Gruppe 9 diese Abweichler zu manipulieren. Oft stellen sie es so geschickt an, dass die Abweichler die Manipulation für ihre eigenen Entscheidungen halten.

Fazit:

Die regulären Morbus-Mueller-Erreger (also so ziemlich alle) existieren in extrem destruktiven Lebenssituationen, die sie ausschließlich durch Täuschung und Selbsttäuschung aufrechterhalten. Exemplare, die eine nicht-destruktive Lebensform gewählt haben, werden von den übrigen als störend, aufrührerisch und provozierend empfunden, die es zu vernichten oder wenigstens zu vertreiben gilt. Um möglichst ungestört ihr destruktives Dasein fristen zu können, zerstören sie alles (oder versuchen es zumindest), was nicht destruktiv ist. Da sie mit ihrer begrenzten Lebenszeit, die sie möglich lange ausdehnen wollen (der Betrachter fragt im Stillen: Warum?), recht wenig anzufangen wissen, treiben sie die seltsamsten Dinge.

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Das Kunstschaufenster im Mai 2019

Vanessa Lieblich

Titel: Ich will auch eine Barbi!

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Das Kunstschaufenster im April 2019

Nicole A. Wietlisbach

Miniaturkunst: Original Schweizer Kondommanufaktur

www.nicolewietlisbach.ch

Nicole A. Wietlisbach war im Herbst 2016 zu Gast im Kabinett.

Der Einladung das Kunstschaufenster im April 2019

zu gestalten ist sie gerne nachgekommen.

Zu unser aller großer Freude!

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Das Kunstschaufenster im März 2019

Künstler: Edmund Knoll

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Das Kunstschaufenster im Februar 2019

Die in Insiderkreisen gut bekannte Konzeptkünstlerin Frau Dr. Hildegard Schneider-Wohlleben-Knaupp beschäftigt sich in ihren Werken mit dem Phänomen der Penetranz des Überflüssigen.

Auf vielfältige Weise thematisiert, illustriert und positioniert sie ihre Interventionen in Raum und Zeit und beeindruckt nicht zuletzt durch die verstörende Beiläufigkeit ihrer Arbeiten, die in Punkto Intensität und intellektueller Schärfe, garniert mit subtiler Sinnlichkeit, den Zuschauer beunruhigen und erregen. Versöhnenden Ausgleich als Möglichkeit – ob ästhetisch oder moralisch intoniert – zieht die Künstlerin grundsätzlich nicht in Betracht.

Die gezeigten Videoarbeiten tragen folgende Titel:

1. Warum nur ist alles so schön?

2. Es ist alles gesagt. Es ist schon lange alles gesagt . Es ist schon sehr lange alles gesagt.

3. Hitzewallungen blaufränkisch

4. Öffentliche Hinrichtung der Romantik

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Das Kunstschaufenster im Januar 2019

Philip Jan Krajewski

 

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Winter 2018

Elisabeth Zeller

Miniaturkunst für den schönen Automaten

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Herbst 2018

 

Das Ende

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Das Kunstschaufenster im September 2018

Der Freiburger Photograph Jürgen Rösch, der sich auf keinen Fall als Künstler beschimpfen lassen möchte, hat freundlicherweise einige seiner Arbeiten aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts herausgesucht und dazu beigetragen, dass sich der Betrachter auf angenehme und sehr ästhetische Weise in die Lage versetzt fühlen darf, sich an Zeiten zu erinnern, die zwar nicht besser, aber irgendwie übersichtlicher waren. Das Werk trägt den überraschenden Titel Schlussverkauf.

Vielen Dank Herr Rösch!

Miniaturkunst (Auswahl) aus dem Automaten

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Das Jahr 2018

Im Jahr 2018 gab es in Fischmüllers Kabinett einige Änderungen. Es soll schließlich nicht langweilig werden. Die „Aktionswochen“ klangen im Herbst/Winter aus. Dafür etablierte sich sukzessive ein neues Format:

Das Kunstschaufenster.

Im monatlichen Wechsel bestücken nun Künstler das zum Kabinett gehörige Fenster zur Gasse und Kanal hin. Parallel wird – zumeist thematisch in Anlehnung an die Arbeit im Fenster – der KunstKondomAutomat mit Miniaturkunst befüllt. Der rege Publikumsverkehr in der Fischerau bekommt auf diese Weise vollkommen unverbindlich und ungefragt Kunst im öffentlichen Raum aufs Auge gedrückt – und darf sich je nach Lust und Laune ein kleines Andenken für mickrige vier Euro aus dem Automaten ziehen.

Was anfänglich ein wenig unorganisiert daherkam, entwickelte sich mit der Zeit zu einer kleinen Attraktion.

Im August gab es das erste dokumentierte Kunstschaufenster mit der in den USA geborenen und in Freiburg, bzw. Basel lebenden Künstlerin Laurie Mlodzik.

Kunstschaufenster August 2018

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Winter 2017

Vera Sebert

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Herbst 2017

Nina Liška Rieben

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Sommer 2017

Julien Fettkötter

  

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Frühling 2017

Joëlle Valterio

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2017

Schönheit und Verzicht

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Winter 2016

Marco Schuler

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Herbst 2016

Nicole A. Wietlisbach

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Sommer 2016

Albrecht Fersch

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Frühling 2016

Matthias Schleifer

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